Selbstmarketing für Assistenzen – so präsentieren Sie Ihre Erfolge überzeugend.
- Constanze Wiedermann

- vor 3 Tagen
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Von Constanze Wiedermann | Gründerin SÜDPOOL PERSONALKONZEPTE | Karrierecoach & Personalberaterin für Executive Assistants
Das Paradox der Assistenz-Karriere.
Sie sind diejenige, die den Laden am Laufen hält. Sie wissen Dinge, bevor sie jemand fragt. Sie lösen Probleme, bevor sie eskalieren. Sie tragen maßgeblich dazu bei, dass eine Führungskraft wirklich führen kann.
Und trotzdem – wenn es darum geht, das im Bewerbungsgespräch zu sagen, in der Gehaltsverhandlung zu formulieren oder auf LinkedIn sichtbar zu machen – stockt es.
Das ist das Selbstmarketing-Paradox der Assistenz: Je besser Sie Ihre Arbeit machen, desto unsichtbarer wird sie. Weil exzellente Assistenzarbeit nicht auffällt – sie funktioniert einfach.
Dieser Artikel hilft Ihnen, das zu ändern. Konkret, ohne Floskeln, mit dem Wissen einer Personalvermittlerin die täglich auf beiden Seiten sitzt.
Warum Selbstmarketing für Assistenzen so schwer fällt – und warum es trotzdem unverzichtbar ist.
In meinen über 25 Jahren im Executive Support – als Führungskraft bei Accenture, wo ich ein Team von 45 C-Level Executive Assistants geführt habe, und heute als Karrierecoach – erlebe ich dasselbe Muster immer wieder:
Assistenzen, die Außergewöhnliches leisten, aber im Bewerbungsgespräch sagen: „Ich habe das Team bei der Veranstaltungsorganisation unterstützt."
Unterstützt. Als ob das, was sie tatsächlich getan haben – geplant, koordiniert, gerettet – eine Randnotiz wäre.
Das Problem liegt nicht im Können. Es liegt in der Sprache. Und in der Überzeugung, dass Eigenlob unangemessen ist.
Hier ist die Wahrheit: Wer seine Leistungen nicht kommuniziert, zwingt andere dazu, sie zu erraten. Und im Bewerbungsprozess, in der Gehaltsverhandlung oder auf LinkedIn errät niemand etwas – man entscheidet auf Basis dessen, was man sieht.
8 konkrete Strategien für erfolgreiches Selbstmarketing als Assistenz.
1. Erstellen Sie Ihre persönliche Erfolgs-Inventur.
Bevor Sie irgendwo etwas kommunizieren können, müssen Sie wissen, was Sie kommunizieren wollen. Das klingt banal – und ist trotzdem der Schritt, den die meisten überspringen.
Nehmen Sie sich 30 Minuten und beantworten Sie diese Fragen schriftlich:
Welche Projekte haben Sie in den letzten 12 Monaten eigenständig gesteuert?
Welche Probleme haben Sie gelöst – bevor jemand sie bemerkt hat?
Wo haben Sie Prozesse verbessert, vereinfacht oder beschleunigt?
Was wäre ohne Sie nicht oder schlechter passiert?
Was hat Ihr Vorgesetzter Ihnen zuletzt explizit gedankt?
Diese Liste ist Ihre Grundlage. Für das Bewerbungsgespräch, für die Gehaltsverhandlung, für Ihren LinkedIn-Auftritt.
2. Übersetzen Sie Aufgaben in Wirkung – mit der PAR-Methode.
Das ist der wichtigste handwerkliche Schritt im Selbstmarketing. PAR steht für Problem – Aktion – Resultat.
Statt: „Ich habe Veranstaltungen organisiert." So: „Als kurzfristig ein Keynote-Speaker absagte, habe ich innerhalb von 48 Stunden Ersatz organisiert und sichergestellt, dass die Veranstaltung mit 120 Teilnehmern reibungslos ablief."
Statt: „Ich habe den Kalender meines Vorgesetzten gemanagt." So: „Durch konsequente Priorisierung und vorausschauende Planung habe ich die Meeting-Belastung meines Vorgesetzten um 30 % reduziert und Reisezeiten strategisch genutzt."
Der Unterschied: Das erste beschreibt eine Tätigkeit. Das zweite beschreibt einen Beitrag. Nur das zweite bleibt im Gedächtnis.
3. Nutzen Sie Zahlen – auch wenn Sie nicht 100% sicher sind.
Zahlen machen abstrakte Leistungen konkret. Und das Schöne: Sie müssen nicht auf den Cent genau sein. Eine Schätzung ist besser als keine Zahl.
Beispiele:
„Ich habe jährlich ca. 15 internationale Reisen für die Geschäftsführung organisiert."
„Durch Prozessoptimierung im Terminmanagement habe ich schätzungsweise 5 Stunden pro Woche Führungszeit zurückgewonnen."
„Ich habe 3 Onboarding-Prozesse neu strukturiert."
Wenn Sie wirklich keine Zahl haben – nutzen Sie Dimension: „eine der größten Veranstaltungen des Jahres", „ein vertrauliches Projekt auf Vorstandsebene", „ein internationales Team von mehreren Standorten."
4. Holen Sie sich Feedback – gezielt und konkret.
Oft nehmen wir unsere eigenen Stärken nicht wahr, weil wir uns an sie gewöhnt haben. Was für Sie selbstverständlich ist, ist für andere eine bemerkenswerte Fähigkeit.
Fragen Sie aktiv – Vorgesetzte, Kolleginnen, auch frühere Arbeitgeber:
„Was schätzen Sie an meiner Arbeitsweise am meisten?" „In welchen Situationen war mein Beitrag für Sie besonders wertvoll?" „Was würde fehlen, wenn ich nicht da wäre?"
Die Antworten auf diese Fragen liefern Ihnen oft die überzeugendsten Formulierungen für Ihr Selbstmarketing – in einer Sprache, die andere Menschen verwenden, nicht Sie selbst.
5. Machen Sie Ihre Leistungen intern sichtbar – proaktiv, nicht aufdringlich.
Selbstmarketing beginnt nicht erst im Bewerbungsprozess. Es beginnt in Ihrer aktuellen Rolle.
Das bedeutet nicht, sich in den Vordergrund zu drängen. Es bedeutet, Ergebnisse sichtbar zu machen:
Senden Sie nach einem erfolgreich abgeschlossenen Projekt eine kurze Zusammenfassung an Ihre Führungskraft.
Sprechen Sie in Jour-fixes aktiv an, was Sie abgeschlossen haben – nicht nur was noch offen ist.
Halten Sie eine persönliche Erfolgs-Dokumentation – eine laufende Liste Ihrer Leistungen, die Sie regelmäßig aktualisieren.
Diese Dokumentation ist Gold wert – im nächsten Gehaltsgespräch, im nächsten Bewerbungsprozess und für Ihr eigenes Selbstbild.
6. LinkedIn als strategisches Selbstmarketing-Tool nutzen.
Viele Executive Assistants sind auf LinkedIn unsichtbar. Entweder gar kein Profil – oder ein halbfertiges, das seit Jahren nicht angefasst wurde.
Das ist eine verschenkte Chance. Denn LinkedIn ist heute der wichtigste Kanal für den verdeckten Stellenmarkt – und gute Positionen entstehen über Netzwerke, nicht über Anzeigen.
Was ein starkes LinkedIn-Profil für Assistenzen enthält:
Eine Headline die nicht nur Ihre Funktion nennt, sondern Ihren Mehrwert: „Executive Assistant | Ich halte C-Level-Führungskräften den Rücken frei – damit sie sich auf das Wesentliche konzentrieren können."
Eine About-Sektion die Ihre stärksten 2–3 Beiträge in konkreter Sprache beschreibt
Erfahrungen mit PAR-formulierten Leistungen – keine Aufgabenlisten
Empfehlungen von Vorgesetzten oder Kollegen – die überzeugendste Form des Selbstmarketings
7. Im Bewerbungsgespräch: Stärken ohne Entschuldigungen zeigen.
Das ist der Moment, in dem alles zusammenkommt. Und der Moment, in dem die meisten Assistenzen unbewusst zurückrudern.
Klassische Formulierungen die schwächen:
„Das war eigentlich gar nicht so schwierig..."
„Ich habe nur meinem Team geholfen..."
„Das machen wir alle so..."
Formulierungen die stärken:
„In dieser Situation habe ich entschieden, dass... – das Ergebnis war..."
„Ich habe eigenverantwortlich... – und damit erreicht, dass..."
„Mein Beitrag in diesem Projekt war... – konkret bedeutete das..."
Der Unterschied: Die zweite Gruppe nennt Sie als handelnde Person. Nicht als Begleiterscheinung.
8. Bleiben Sie authentisch – Selbstmarketing ist keine Inszenierung.
Das Wichtigste zum Schluss: Selbstmarketing bedeutet nicht, sich größer zu machen als Sie sind. Es bedeutet, sichtbar zu machen, was wirklich da ist.
Die überzeugendsten Selbstmarketing-Momente entstehen nicht durch perfekte Formulierungen – sondern durch echte Beispiele, konkrete Situationen und die Bereitschaft, das eigene Handeln zu benennen.
Sie müssen keine andere Person werden. Sie müssen nur aufhören, Ihre Leistungen kleiner zu machen als sie sind.
Die häufigsten Selbstmarketing-Fehler – und wie Sie sie vermeiden.
Fehler | Warum er schadet | Besser so |
Aufgaben statt Wirkung beschreiben | Klingt austauschbar | PAR-Methode: Problem – Aktion – Resultat |
Zu viel auf einmal erzählen | Verwässert die Kernbotschaft | 3 starke Beispiele statt 10 schwache |
Konjunktiv verwenden | Klingt unsicher | Klare Aussagesätze in der Vergangenheit |
Erfolge als Teamleistung verkaufen | Eigener Beitrag bleibt unsichtbar | „Mein Beitrag war..." ergänzend zum Team |
LinkedIn vernachlässigen | Verdeckter Markt bleibt verschlossen | Profil aktiv halten und regelmäßig updaten |
Selbstmarketing nur in der Bewerbung | Zu spät – zu wenig Substanz | Laufende Erfolgs-Dokumentation führen |
FAQ – Häufige Fragen zum Selbstmarketing als Assistenz.
Ist Selbstmarketing nicht dasselbe wie Angeben?
Nein. Angeben bedeutet, sich größer darzustellen als man ist. Selbstmarketing bedeutet, sichtbar zu machen, was wirklich da ist – in einer Sprache, die andere verstehen und die im richtigen Kontext ankommt. Der Unterschied liegt nicht in der Aussage, sondern in der Substanz dahinter.
Wie mache ich Selbstmarketing, wenn meine Arbeit vertraulich ist?
Das ist eine der häufigsten Fragen die ich höre – besonders von Assistenzen in Family Offices oder auf höchster C-Level-Ebene. Die Antwort: Sie müssen keine Inhalte verraten. Sie können Leistungen beschreiben ohne Details zu nennen: „Ich habe ein vertrauliches Projekt auf Vorstandsebene koordiniert – mit einem Team von fünf Personen über drei Standorte hinweg." Die Dimension ist sichtbar. Der Inhalt bleibt geschützt.
Wie fange ich an, wenn ich meine eigenen Stärken nicht kenne?
Genau das ist Ausgangspunkt vieler meiner Karrierecoachings. Der schnellste Weg: Fragen Sie drei Menschen aus Ihrem beruflichen Umfeld, was sie an Ihrer Arbeitsweise besonders schätzen. Die Antworten werden Sie überraschen – und liefern Ihnen den besten Einstieg in Ihr Selbstmarketing.
Selbstmarketing auf LinkedIn – wie oft und was posten?
Qualität vor Quantität. Zwei bis vier Posts pro Monat mit echtem Inhalt sind besser als tägliche Leerformeln. Was funktioniert: persönliche Erfahrungen aus dem Assistenzalltag, konkrete Einblicke in Herausforderungen und Lösungen, Meinungen zu Trends im Executive Support. Was nicht funktioniert: geteilte Artikel ohne eigenen Kommentar, generische Motivationssprüche.
Mein Fazit – und was Sie heute noch tun können.
Selbstmarketing ist keine Frage des Talents. Es ist eine Frage der Übung und der richtigen Werkzeuge.
Sie haben Leistungen, die es wert sind, kommuniziert zu werden. Sie haben Fähigkeiten, die andere suchen. Was fehlt, ist oft nicht die Substanz – sondern die Sprache dafür.
Fangen Sie heute an: Schreiben Sie drei Leistungen der letzten zwölf Monate auf – nach der PAR-Methode. Dann lesen Sie sie nochmal. Was Sie sehen, ist der Anfang Ihres Selbstmarketings.
Wenn Sie dabei Unterstützung möchten – bei Bewerbungsunterlagen, Gehaltsverhandlung oder der strategischen Positionierung Ihres Profils – sprechen Sie mit mir.
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