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Wird KI Ihren Job als Executive Assistant ersetzen? Was wirklich auf dem Spiel steht – und was Sie jetzt tun sollten.

Von Constanze Wiedermann | Gründerin SÜDPOOL PERSONALKONZEPTE | Personalberaterin & Karrierecoach für Executive Assistants

Die Frage, die niemand laut stellt – aber alle denken.

Ich höre sie in fast jedem Karrieregespräch. Manchmal direkt, manchmal verpackt in andere Fragen. Manchmal steht sie einfach im Raum, unausgesprochen, aber deutlich spürbar:

Bin ich noch sicher? Oder macht das bald eine Maschine?

Ich werde Ihnen in diesem Artikel keine beruhigende Antwort geben, die nicht stimmt. Und ich werde Ihnen auch keine Apokalypse verkaufen, die genauso wenig stimmt.

Was ich Ihnen gebe, ist das, was ich nach 25 Jahren in diesem Bereich und täglichem Kontakt mit Unternehmen und Assistenzen wirklich sehe – und was das konkret für Sie bedeutet.


Was KI tatsächlich kann – und was sie nicht kann.

Lassen Sie uns ehrlich sein. KI kann heute schon eine ganze Menge, das früher zur Kernarbeit einer Assistenz gehörte:

Kalender koordinieren. E-Mails vorformulieren. Reisen buchen. Protokolle zusammenfassen. Dokumente strukturieren. Recherchen durchführen. Präsentationen aufbereiten.

Das ist real. Das ist bereits heute so. Und es wird mehr werden, nicht weniger.

Aber hier ist, was KI nicht kann – und auf absehbare Zeit nicht können wird:


Vertrauen aufbauen

Ein Vorstand, der seiner Assistenz den Zugang zu seinen privatesten Terminen, seiner Familie, seinen vertraulichsten Gesprächen gibt – tut das nicht, weil die Assistenz effizient ist. Er tut es, weil er ihr vertraut. Dieses Vertrauen entsteht über Monate, manchmal Jahre. Es ist das Ergebnis von tausend kleinen Momenten, in denen die Assistenz das Richtige getan hat – oft ohne gefragt zu werden.

Eine KI kann Aufgaben erledigen. Vertrauen verdienen kann sie nicht.


Lesen, was nicht gesagt wird

Die beste Executive Assistant, die ich kenne, beschreibt ihre Arbeit so: „Ich weiß, was mein Chef braucht, bevor er es selbst weiß." Das ist keine Übertreibung. Es ist die präzise Beschreibung einer Fähigkeit, die KI fundamental fehlt: Kontext lesen, Stimmungen einschätzen, antizipieren.

Wenn der Vorstand aus einem Meeting kommt und seine Körpersprache sagt, dass heute kein guter Tag für das schwierige Gespräch mit dem Kunden ist – dann weiß die exzellente Assistenz das. Und handelt entsprechend. Keine KI der Welt tut das.


Repräsentieren und Haltung zeigen

Executive Assistants auf höchster Ebene sind nicht nur Organisatorinnen. Sie sind Repräsentantinnen. Wie sie am Telefon sind, wie sie Gäste empfangen, wie sie in einer Krisensituation reagieren – das sagt etwas über das Unternehmen und über die Führungskraft, der sie zugeordnet sind. Das ist zutiefst menschlich. Und es bleibt menschlich.


Verantwortung übernehmen

Wenn etwas schiefgeht – eine Buchung, ein Missverständnis, ein vergessener Termin – dann steht jemand dafür gerade. KI übernimmt keine Verantwortung. Sie liefert keine Entschuldigung, die zählt. Sie trägt keine Konsequenzen. Verantwortung ist zutiefst menschlich – und in einer Vertrauensrolle unverzichtbar.


Die unbequeme Wahrheit: Nicht KI wird Ihren Job ersetzen. Aber eine Assistenz, die KI nutzt, könnte es.

Das ist der Satz, den ich Ihnen nicht ersparen werde. Und er ist wichtiger als alles andere in diesem Artikel.

Die Gefahr kommt nicht von der Maschine. Sie kommt von dem Moment, in dem Sie aufhören, sich weiterzuentwickeln – während andere es tun.

Wer KI als Bedrohung sieht und abwartet, verliert. Wer KI als Werkzeug versteht und aktiv einsetzt, gewinnt – weil er plötzlich in der gleichen Zeit doppelt so viel leisten kann, mit höherer Qualität und mehr Kapazität für die Dinge, die wirklich zählen.

Die Frage ist nicht: Werde ich durch KI ersetzt?

Die richtige Frage ist: Wie nutze ich KI, um unersetzlich zu werden?


Was Sie jetzt konkret tun können – 8 Schritte zur langfristigen Relevanz


1. KI-Tools aktiv kennenlernen – nicht abwarten

Sie müssen keine Entwicklerin werden. Aber Sie müssen wissen, was die wichtigsten Tools können – und wo sie an Grenzen stoßen. Fangen Sie mit diesen an:

ChatGPT / Claude – für Textentwürfe, Recherche, Protokolle, E-Mail-Formulierungen Microsoft Copilot – direkt in Outlook, Teams und Word integriert, besonders relevant wenn Ihr Unternehmen Microsoft nutzt Notion AI – für strukturiertes Wissensmanagement und Projektdokumentation Otter.ai / Fireflies – automatische Transkription und Zusammenfassung von Meetings

Ziel ist nicht Perfektion. Ziel ist Vertrautheit. Wer diese Tools kennt, spart täglich Zeit – und hat mehr Kapazität für das, was nur Menschen können.


2. Positionieren Sie sich als strategische Partnerin – nicht als Aufgabenabarbeiterin

Das ist der wichtigste Karriereschritt, den Sie unabhängig von KI gehen sollten – und KI macht ihn dringlicher.

Assistenzen, die primär reaktiv arbeiten – die warten, bis eine Aufgabe kommt, und sie dann erledigen – sind austauschbarer als Assistenzen, die mitdenken, vorausschauen und proaktiv handeln.

Stellen Sie sich diese Frage: Wenn Ihre Führungskraft morgen früh ins Büro kommt – was könnte sie brauchen, ohne es selbst zu wissen? Was könnten Sie bereits vorbereitet haben?

Diese Haltung ist nicht selbstverständlich. Sie ist ein Wettbewerbsvorteil.


3. Entwickeln Sie Expertise – nicht nur Effizienz

Effizienz ist gut. Expertise ist besser. Und Expertise in einem relevanten Bereich macht Sie zu einer Person, die nicht einfach ersetzt werden kann.

Was bedeutet das konkret? Werden Sie zur Expertin für etwas, das Ihrer Führungskraft oder Ihrem Unternehmen wichtig ist:

  • Projektmanagement-Methoden (PRINCE2, agile Grundlagen)

  • Datenschutz und Compliance im Executive-Umfeld

  • ESG-Reporting und Nachhaltigkeitskommunikation

  • Internationale Protokoll- und Etikettekenntnisse

  • Digitale Tools und Prozessoptimierung im Office-Management

Je spezifischer Ihre Expertise, desto schwieriger sind Sie zu ersetzen – durch eine KI oder durch eine andere Assistenz.


4. Investieren Sie in Ihre Sichtbarkeit – intern und extern

Die beste Assistenz, die niemand kennt, ist karrieretechnisch unsichtbar. Das war schon immer so – aber in einer Welt, in der Positionen schneller umgebaut werden als je zuvor, ist Sichtbarkeit wichtiger denn je.

Intern: Sorgen Sie dafür, dass Ihre Führungskraft und relevante Entscheider wissen, was Sie leisten. Nicht durch Selbstlob – durch Ergebnisse, die sichtbar gemacht werden.

Extern: LinkedIn ist für Executive Assistants kein optionales Karrieretool mehr. Es ist Ihre digitale Visitenkarte – für den Moment, in dem Sie sie brauchen. Und dieser Moment kommt immer.


5. Netzwerken Sie – bewusst und konsequent

Die beste Absicherung gegen Jobverlust ist kein aktueller Lebenslauf. Es ist ein Netzwerk, das für Sie spricht, bevor Sie selbst auf Jobsuche gehen.

Knüpfen Sie Kontakte zu anderen Executive Assistants – auf Augenhöhe, nicht als Konkurrenz. Tauschen Sie sich aus. Empfehlen Sie sich gegenseitig. Bleiben Sie sichtbar in Ihrer professionellen Community.

Und: Bleiben Sie mit spezialisierten Personalberaterinnen in Kontakt, die Ihren Markt wirklich kennen. Wenn eine gute Position entsteht, werden die Menschen zuerst kontaktiert, die bereits auf dem Radar sind.


6. Verstehen Sie das Geschäft Ihrer Führungskraft

Das unterscheidet mittelmäßige von exzellenten Assistenzen konsequenter als fast alles andere: das echte Verständnis dafür, was die Führungskraft antreibt, was das Unternehmen bewegt, welche strategischen Ziele verfolgt werden.

Wer das versteht, kann vorausdenken. Wer vorausdenken kann, ist unersetzlich.

Lesen Sie die Quartalszahlen. Verstehen Sie, warum bestimmte Entscheidungen getroffen werden. Fragen Sie – mit echtem Interesse. Dieses Verständnis macht aus einer guten Assistenz eine strategische Partnerin.


7. Bleiben Sie lernbereit – strukturiert, nicht sporadisch

Weiterbildung ist kein einmaliges Ereignis. Sie ist eine Haltung.

Das muss nicht teuer sein und nicht zeitintensiv. Aber es muss regelmäßig sein:

  • Ein Online-Kurs pro Quartal – zu einem Thema, das Ihre Rolle relevanter macht

  • Zwei Fachbücher oder relevante Podcasts pro Jahr

  • Eine Konferenz oder ein Netzwerktreffen pro Jahr im Executive-Support-Umfeld

  • Regelmäßiges Ausprobieren neuer Tools – auch wenn Sie sie nicht sofort brauchen

Wer kontinuierlich lernt, hat immer einen kleinen Vorsprung. Über eine Karriere hinweg wird aus diesem kleinen Vorsprung ein enormer.


8. Klären Sie Ihre eigene Positionierung – jetzt, nicht wenn es brennt

Das ist der Schritt, den die meisten aufschieben – bis es zu spät ist. Wissen Sie, was Sie am Markt wert sind? Wissen Sie, welche Positionen zu Ihnen passen würden? Haben Sie eine ehrliche Einschätzung Ihrer Stärken – und Ihrer Entwicklungsfelder?

Diese Klarheit gibt Ihnen Sicherheit. Nicht weil sie den Jobverlust verhindert. Sondern weil sie sicherstellt, dass Sie immer wissen, wo Sie stehen – und wohin Sie gehen können.


Das Mindset, das den Unterschied macht

Ich habe in 25 Jahren viele Assistenzen erlebt, die Veränderungen als Bedrohung gesehen haben – und viele, die sie als Einladung verstanden haben. Der Unterschied in der Karriereentwicklung war fast immer dramatisch.

Drei Haltungen, die ich Ihnen mitgeben möchte:


Neugier statt Angst

Angst lähmt. Neugier bewegt. Wer sich fragt „Was kann diese Technologie für mich tun?" statt „Was macht diese Technologie mit mir?" – ist in einer fundamental anderen Position. Die Neugierigen werden die Gewinner dieser Transformation sein.


Entwicklung statt Sicherheit

Der Wunsch nach Sicherheit ist menschlich und verständlich. Aber die größte Sicherheit entsteht nicht durch das Festhalten an dem, was war – sondern durch die Fähigkeit, sich anzupassen. Wer sich kontinuierlich entwickelt, ist sicherer als jemand, der darauf hofft, dass sich nichts verändert.


Wert statt Funktion

Die wichtigste Frage ist nicht: Welche Aufgaben erledige ich? Die wichtigste Frage ist: Welchen Wert schaffe ich?

Aufgaben können automatisiert werden. Wert nicht. Wer seinen eigenen Wert klar benennen kann – für die Führungskraft, für das Unternehmen, für das Team – ist schwer zu ersetzen. Durch KI. Und durch jeden anderen.


Was Unternehmen jetzt verstehen müssen

Ein kurzes Wort an die Führungskräfte, die diesen Artikel lesen:

Der Reflex, Assistenzstellen zu reduzieren, weil KI bestimmte Aufgaben übernehmen kann, ist verständlich – und kurzfristig vielleicht sogar verlockend.

Er ist trotzdem oft falsch.

Was KI übernimmt, sind die administrativen Routineaufgaben. Was bleibt – und was schwieriger wird – ist alles andere: Die menschliche Urteilskraft. Das Vertrauen. Die Repräsentation. Das Vorausdenken. Die Verantwortung.

Eine exzellente Executive Assistant, die KI-Tools souverän einsetzt, ist nicht weniger wert als vor drei Jahren. Sie ist mehr wert – weil sie dieselbe Zeit jetzt für die wirklich komplexen Aufgaben nutzen kann, die keine Maschine übernimmt.


Mein Fazit – und ein ehrliches Angebot

KI wird den Job der Executive Assistant weiter verändern. Das ist sicher. Aber sie wird ihn nicht ersetzen – nicht die Version davon, die wirklich zählt.

Was zählt, ist nicht, ob Sie E-Mails effizienter formulieren können als eine KI. Was zählt, ist, ob Ihre Führungskraft Ihnen vertraut. Ob Sie mitdenken. Ob Sie da sind, wenn es wirklich darauf ankommt.

Das kann keine Maschine.

Aber es setzt voraus, dass Sie sich weiterentwickeln. Dass Sie die Werkzeuge kennen. Dass Sie Ihre Positionierung kennen. Und dass Sie nicht warten, bis der Druck zu groß wird.

Wenn Sie wissen möchten, wo Sie aktuell stehen – was Ihr Profil am Markt wert ist, wie Sie sich positionieren sollten und welche nächsten Schritte für Sie konkret sinnvoll sind – dann sprechen Sie mit mir.

Kein Standardprogramm. Kein allgemeines Feedback. Sondern eine ehrliche, persönliche Einschätzung – auf Augenhöhe.


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