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Toxischer Chef – was tun? Anzeichen, Strategien & wann es Zeit ist zu gehen

Aktualisiert: 8. Apr.

Von Constanze Wiedermann | Gründerin SÜDPOOL PERSONALKONZEPTE | Karrierecoach & Personalberaterin für Executive Assistants


Eine persönliche Vorbemerkung.

Ich spreche aus Erfahrung – eigener und fremder.

Eigener, weil ich selbst für einen toxischen Chef gearbeitet habe. Einen, der gerne mit dem Schlüsselbund warf. Keinen Einzelfall, wie ich später lernte.

Fremder, weil ich in über 25 Jahren und tausenden von Karrieregesprächen mit Executive Assistants eines der am häufigsten genannten Themen immer wieder höre: „Ich halte es nicht mehr aus. Aber ich weiß nicht, was ich tun soll."

Dieser Artikel ist für genau diese Situation geschrieben. Ehrlich, direkt und ohne falsche Beruhigung.


Wie verbreitet ist das Problem wirklich?

Die Zahlen sind ernüchternd. Laut einer Studie der Harvard Business School geben 56 % der Arbeitnehmer an, ihr Chef sei toxisch. Die American Psychological Association kommt zu dem Ergebnis, dass für 75 % der Befragten der Vorgesetzte der stressigste Teil des Arbeitstages ist.

Ob sich diese amerikanischen Zahlen eins zu eins auf Deutschland übertragen lassen, ist offen. Was ich mit Sicherheit sagen kann: In den Bewerbungsgesprächen, die ich täglich führe, ist ein toxisches Arbeitsumfeld einer der häufigsten Wechselgründe – besonders bei Executive Assistants.

Und das aus einem nachvollziehbaren Grund.

Wer als Assistenz direkt einer Führungskraft zugeordnet ist, erlebt toxisches Verhalten intensiver als fast jede andere Position im Unternehmen. Die räumliche Nähe, das Vertrauensverhältnis, die ständige Verfügbarkeit – all das macht Sie besonders verwundbar. Und oft besonders allein.


7 Anzeichen für einen toxischen Führungsstil – konkret und klar


1. Er hat immer Recht – und gibt das niemals auf.

Toxische Führungskräfte können sich nicht irren. Fehler werden umgedeutet, auf andere geschoben oder schlicht geleugnet. Wer widerspricht, riskiert Konsequenzen. Dieses Muster ist eines der zuverlässigsten Warnsignale – weil es keine Ausnahmen kennt.


2. Kritik ist konstant – Lob inexistent.

Nichts, was Sie tun, ist gut genug. Die Messlatte wird regelmäßig verschoben. Anerkennung kommt nie – oder nur strategisch, wenn etwas von Ihnen erwartet wird. Auf Dauer untergräbt das nicht nur Ihre Motivation. Es untergräbt Ihr Selbstbild.


3. Mikromanagement als Dauerzustand.

Jede Entscheidung wird kontrolliert. Jede E-Mail geprüft. Jeder Schritt hinterfragt. Was nach außen wie hohe Anforderungen aussieht, ist in Wirklichkeit tiefes Misstrauen – und es macht eigenverantwortliches Arbeiten unmöglich.


4. Manipulation statt Führung.

Schuldgefühle werden gezielt eingesetzt. Einschüchterung ist ein Werkzeug. Informationen werden zurückgehalten oder selektiv geteilt, um Abhängigkeiten zu schaffen. Wer sich fragt, ob er gerade manipuliert wird – wird wahrscheinlich gerade manipuliert.


5. Öffentliche Bloßstellung.

Kritik vor anderen. Sarkasmus im Meeting. Demütigende Kommentare, die als Humor verpackt werden. Das ist keine Führung. Das ist Machtmissbrauch – und es hinterlässt Spuren, die weit über den Arbeitsplatz hinausgehen.


6. Unangemessene Erwartungen ohne Grenzen.

Erreichbarkeit rund um die Uhr. Aufgaben, die physisch nicht zu bewältigen sind. Deadlines, die gesetzt werden, um zu scheitern. Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie nie genug sein können – egal wie viel Sie leisten – dann liegt das Problem nicht bei Ihnen.


7. Ihr Selbstbewusstsein hat gelitten.

Das ist das subtilste und gleichzeitig alarmierendste Zeichen. Wenn Sie heute weniger zutrauen als vor einem Jahr. Wenn Sie zweifeln, wo Sie früher sicher waren. Wenn Sie sich fragen, ob Sie vielleicht wirklich das Problem sind.

Sie sind es nicht. Aber Sie brauchen Abstand, um das wieder klar sehen zu können.


Was Sie jetzt tun können – 5 konkrete Strategien


1. Distanzieren Sie sich emotional – ohne sich zu entfernen.

Das Wichtigste zuerst: Das Verhalten Ihres Chefs sagt nichts darüber aus, wer Sie sind oder wie gut Sie Ihre Arbeit machen. Es sagt etwas über ihn aus.

Emotionale Distanz bedeutet nicht Gleichgültigkeit. Es bedeutet, Sachebene und Beziehungsebene zu trennen – und dem toxischen Verhalten nicht die Macht zu geben, Ihr Selbstbild zu definieren. Bleiben Sie auf der Sachebene: Zahlen, Daten, Fakten. Und wenn Sie merken, dass Sie in eine emotionale Reaktion gezogen werden – verlassen Sie kurz den Raum. Ein Gang zur Toilette ist keine Schwäche. Er ist Strategie.


2. Bleiben Sie professionell – auch wenn es schwerfällt.

Ich weiß, wie schwer das ist. Aber: Feindselige oder aggressive Reaktionen machen die Situation schlechter – für Sie, nicht für ihn. Sie schaden Ihrer Reputation und geben ihm Munition.

Professionelles Verhalten in einer toxischen Umgebung ist keine Unterwerfung. Es ist Selbstschutz.


3. Holen Sie sich Unterstützung – und zwar die richtige.

Sie tragen das nicht alleine. Und Sie sollten es nicht.

Sprechen Sie mit jemandem – HR, dem Betriebsrat, einer Vertrauensperson, einem Therapeuten oder einem Karrierecoach. Ein gutes Netzwerk erinnert Sie daran, was normal ist – und was nicht. Wer lange in einem toxischen Umfeld arbeitet, verliert manchmal das Gespür dafür, wo die Grenze liegt.

Ihr Netzwerk zieht diese Grenze wieder sichtbar.


4. Stärken Sie aktiv Ihre Selbstfürsorge.

Sie verbringen Ihren Tag damit, andere zu entlasten. Wer entlastet Sie?

Wenn die Antwort „niemand" ist – dann ist jetzt der Moment, das zu ändern. Nicht als Luxus. Als Notwendigkeit.

Konkret bedeutet das: täglich 10 bis 15 Minuten, die nur Ihnen gehören. Bewegung, die Ihnen gut tut. Ausreichend Schlaf – 7 bis 8 Stunden sind keine Empfehlung, sie sind physiologische Grundlage für Urteilsvermögen und Belastbarkeit. Gesunde Ernährung, auch wenn der Griff zur Trostschokolade naheliegt. Und: Verbindungen zu Menschen, die Ihnen gut tun – nicht nur zu denen, die etwas von Ihnen brauchen.


5. Machen Sie sich Ihren Marktwert bewusst.

Das klingt pragmatisch. Es ist es auch – und das ist gut so.

Lesen Sie Stellenanzeigen. Nicht weil Sie morgen kündigen müssen. Sondern weil Sie sehen werden: Ihre Qualifikationen sind gefragt. Andere Unternehmen würden Sie wollen. Diese Erkenntnis gibt Ihnen etwas zurück, das toxische Umgebungen systematisch nehmen: das Bewusstsein, dass Sie eine Wahl haben.


10 Fragen, die Ihnen helfen zu entscheiden: Bleiben oder gehen?

Niemand kann Ihnen diese Entscheidung abnehmen. Aber diese Fragen helfen Ihnen, klarer zu sehen:

  1. Sind Sie dauerhaft gestresst und fühlen sich regelmäßig überfordert?

  2. Leidet Ihre körperliche oder psychische Gesundheit spürbar unter Ihrem Job?

  3. Fühlen Sie sich häufig wütend, frustriert oder innerlich leer nach der Arbeit?

  4. Haben Sie Angst davor, morgens ins Büro zu gehen?

  5. Hat Ihr Vorgesetzter Sie verbal verletzt, bedroht oder regelmäßig im Ton vergriffen?

  6. Glauben Sie, dass sich an der Situation grundlegend nichts ändern wird?

  7. Werden an Sie dauerhaft unangemessene Erwartungen gestellt, die kein Mensch erfüllen kann?

  8. Werden Sie vor anderen bloßgestellt oder herabgesetzt?

  9. Hat Ihr Selbstbewusstsein gelitten – trauen Sie sich weniger zu als früher?

  10. Denken Sie regelmäßig an andere Jobs und schauen sich bereits um?

Wenn Sie mehrere dieser Fragen mit Ja beantwortet haben: Das ist kein Zeichen von Schwäche. Es ist ein klares Signal Ihres eigenen Urteilsvermögens. Hören Sie darauf.


Wann ist es Zeit zu gehen – und wie gehen Sie es an?

Es gibt keine universelle Antwort. Aber es gibt eine Faustregel, der ich nach 25 Jahren Berufserfahrung vertraue:

Wenn Ihre Gesundheit leidet – ist es Zeit.

Nicht irgendwann. Jetzt.

Kein Job, kein Gehalt, kein Titel ist es wert, Ihre psychische oder körperliche Gesundheit dauerhaft zu beschädigen. Und die gute Nachricht: Sie müssen nicht von einem Tag auf den anderen kündigen. Sie können strategisch vorgehen.


Schritt 1: Optionen sondieren, bevor Sie kündigen

Schauen Sie sich intern um – gibt es andere Positionen im Unternehmen, weg von dieser Führungskraft? Sprechen Sie diskret mit HR oder dem Betriebsrat, wenn Sie das Vertrauen haben.


Schritt 2: Netzwerk aktivieren – still und gezielt

Informieren Sie Vertrauenspersonen in Ihrem beruflichen Netzwerk. Nicht öffentlich. Nicht lautstark. Aber gezielt. Die besten Positionen entstehen über Empfehlungen – nicht über Anzeigen.


Schritt 3: Spezialisierte Beratung suchen

Gerade im Executive-Support-Bereich lohnt es sich, frühzeitig Kontakt zu spezialisierten Personalberaterinnen aufzunehmen. Nicht erst wenn es brennt – sondern bevor der Druck so groß wird, dass Sie Entscheidungen unter Stress treffen.

Wer unter Druck entscheidet, entscheidet selten optimal.


Schritt 4: Den richtigen Zeitpunkt wählen – nicht den nächsten verfügbaren

Ein neuer Job, der genauso wenig passt wie der alte, ist kein Fortschritt. Nehmen Sie sich die Zeit, das Richtige zu finden – nicht nur das Nächste. Das ist der Unterschied zwischen Flucht und einer echten Entscheidung.


Mein Fazit – und was ich Ihnen mitgeben möchte.

Sie sind nicht verpflichtet, in einer Situation zu bleiben, die Sie krank macht. Sie haben das Recht auf ein Arbeitsumfeld, in dem Ihre Leistung gesehen wird – und in dem Sie als Mensch respektiert werden.

Das ist keine Selbstverständlichkeit. Aber es ist das Minimum, das Sie verdienen.

Wenn Sie merken, dass die Situation sich nicht verändert – und dass Sie derjenige sind, der sich immer wieder anpasst, während der andere bleibt wie er ist – dann wissen Sie, was zu tun ist.

Das Leben ist zu kurz. Und Ihre Karriereoptionen sind zu wertvoll, um sie an jemanden zu verschwenden, der nicht weiß, was er an Ihnen hat.

Übernehmen Sie die Kontrolle. Einen Schritt nach dem anderen.

Ihre Constanze Wiedermann – die aus eigener Erfahrung spricht und weiß, wovon sie redet.


Was Sie konkret als nächstes tun können.

Wenn Sie sich in diesem Artikel wiedererkannt haben und wissen möchten, welche Möglichkeiten Sie konkret haben – sprechen Sie mit mir. Ich kenne den Münchner Markt und die DACH-Region nach 25 Jahren in- und auswendig. Ich kenne Positionen, die nicht ausgeschrieben sind. Und ich kenne das Gefühl, das Sie gerade haben – weil ich es selbst selbst erlebt habe.


Kein Druck. Kein Verkaufsgespräch. Ein ehrliches Gespräch – auf Augenhöhe.


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